Erfahrungsbericht BENELUX-Radtour

Sieben Tage, drei Länder, 550 Kilometer: mein Reisebericht vom EuroVelo 5 zwischen Schengen und Breda – mit allen Etappen, Hotels und Planungshilfe zum Nachfahren.

Es gibt Orte, deren Namen jeder kennt, ohne je dort gewesen zu sein. Schengen ist so einer. Hier, in einem kleinen luxemburgischen Winzerdorf an der Mosel, wurde 1985 das Schengener Abkommen unterzeichnet – der Vertrag, mit dem die Unterzeichnerstaaten vereinbarten, ihre Grenzkontrollen schrittweise abzubauen.

Unterschrieben wurde nicht in einem Regierungsgebäude, sondern an Bord eines Ausflugsschiffs auf der Mosel, der Princesse Marie-Astrid. Der Ort war kein Zufall: Schengen liegt genau im Dreiländereck von Deutschland, Frankreich und Luxemburg.

Von dort fahre ich sieben Tage lang Richtung Norden, 550 Kilometer weit, durch drei Länder und vier Regionen.

Was das Abkommen praktisch bedeutet, begreife ich allerdings erst am zweiten Tag so richtig, bei Martelange. Ich fahre ein paar Meter und bin in der Wallonie in Belgien. Ich fahre zurück und bin wieder in Luxemburg.

Genau darum geht es auf dieser Tour.

Transparenzhinweis: Diese Pressereise wurde ermöglicht durch Visit Flanders, NBTC (Niederländisches Büro für Tourismus & Convention), VISITWallonia und Luxembourg for Tourism. Meine Eindrücke und Bewertungen entsprechen meiner persönlichen Meinung.


Tour-Überblick

StartSchengen (Luxemburg)
ZielBreda (Niederlande)
Längeca. 550 km
Dauer7 Tage
SchwierigkeitMittel
Routeüberwiegend EuroVelo 5, ab Leuven Kunststädteroute
Untergrundüberwiegend Asphalt, in den Ardennen auch Feldwege
RegionenLuxemburg, Wallonie, Flandern, Nordbrabant

Der EuroVelo 5 heißt mit vollem Namen Via Romea Francigena und führt von London bis nach Brindisi in Apulien, ganz im Süden Italiens. Ich fahre also nur ein Teilstück und wechsle dann auf die Kunststädteroute.

TagEtappeDistanz
1Schengen → Luxemburg-Stadtca. 45 km
2Luxemburg-Stadt → Bastogneca. 95 km
3Bastogne → Marche-en-Famenneca. 80 km
4Marche-en-Famenne → Namurca. 80 km
5Namur → Leuvenca. 80 km
6Leuven → Antwerpenca. 95 km
7Antwerpen → Bredaca. 75 km

Für wen eignet sich die Tour?

Die Tour eignet sich nicht als erste Mehrtagestour. Zwei Etappen mit 95 Kilometern, dazu die Höhenmeter in Luxemburg und den Ardennen: Das ist viel für den Einstieg. Wer dagegen schon einmal eine Woche am Stück gefahren ist, weiß, wie sich Tag vier anfühlt, und plant entsprechend.

Der Reiz liegt in der Mischung. Weinberge an der Mosel, Wald und Flusstäler in der Wallonie, am Ende die flandrischen Kunststädte und die schöne Stadt Breda zum Abschluss. Kein Tag sieht aus wie der davor.

Mit E-Bike ist die Strecke problemlos machbar. Womit ich nicht gerechnet hatte: wie ruhig große Teile der Strecke sind, wie viel Natur dazwischenliegt und wie unterschiedlich die Städte sind, die dir die jeweilige Region näherbringen.

Einen Anreisetag würde ich in jedem Fall einplanen. Ich habe die Nacht davor in Mondorf-les-Bains verbracht, einem Kurort knapp zwanzig Kilometer entfernt, direkt an der französischen Grenze. Der Ort hat die einzigen Thermalquellen Luxemburgs, und ein Abend in der Therme vor einer 550-Kilometer-Woche war rückblickend eine sehr gute Idee.


Etappe 1 – Schengen nach Luxemburg-Stadt

Distanz: ca. 45 km · Schwierigkeit: Mittel · Untergrund: Asphalt, vereinzelt kurze Schotterstücke · Übernachtung:Meliá Luxembourg

Direkt in Schengen gehe ich ins Europamuseum und danach an Bord der Princesse Marie-Astrid, die heute Europa heißt und ebenfalls zum Museum gehört. Marlene Schmidt, die Direktorin des Museums, führt mich herum und zeigt mir vom Deck aus die Boje draußen in der Mosel: der Punkt, an dem Deutschland, Frankreich und Luxemburg zusammentreffen. Ohne Hintergrundwissen wirkt sie erstaunlich unspektakulär.

Dann geht’s los auf den Moselradweg, ich habe Rückenwind und fahre durch die Weinberge. Die ersten Kilometer sind sehr entspannt und idyllisch.

In Luxemburg-Stadt angekommen, mache ich eine geführte Radtour durch die Stadt, und die würde ich definitiv weiterempfehlen. Die Stadt liegt auf mehreren Ebenen, Schluchten trennen die Viertel voneinander, und sie ist unglaublich grün – etwa ein Drittel der Fläche ist Grünfläche. Unten an der Alzette sitzt du plötzlich wie in einer Kleinstadt, während über dir die Brücken den Verkehr über das Tal tragen.

In Luxemburg ist übrigens der gesamte öffentliche Nahverkehr kostenlos, und die Stadt hat öffentliche Aufzüge und eine Standseilbahn, in die du dein Rad mitnehmen darfst.

Hotel: Meliá Luxembourg – großzügige Zimmer mit Badewanne, aus den oberen Etagen ein sehr guter Blick über die Stadt. Fürs Fahrrad gab es einen Durchgang zum Abstellen hinter der Rezeption. Meliá Luxembourg auf Booking.com


Etappe 2 – Luxemburg-Stadt nach Bastogne

Distanz: ca. 95 km · Schwierigkeit: Anspruchsvoll · Untergrund: Asphalt, fast durchgehend auf Radwegen · Übernachtung: Hotel Léo Station, Bastogne

Der längste Tag der Woche, mit den meisten Höhenmetern, und die ersten sechzig Kilometer verlaufen noch komplett in Luxemburg. Dafür fährst du fast ausschließlich auf Radwegen, und ein großer Teil führt durch Wald. Ich habe an diesem Tag sehr viel Grün gesehen und jeden Meter genossen.

Nach etwa zwei Dritteln und kurz vor der Grenze zur belgischen Wallonie liegt Haut-Martelange.

Das Schiefermuseum lässt dich in die alten Abbaustollen hinunter, du tauschst den Fahrradhelm gegen einen Grubenhelm, und unter Tage ist die Atmosphäre eine völlig andere: kühl, nass, und eine Menge Schiefer. Es gibt geführte Touren, im Sommer auch auf Deutsch. Das Museum liegt praktisch direkt an der Route, es ist also nicht einmal ein Umweg. Ich wusste vorher nicht, wie Schiefer abgebaut wird, und fand es sehr spannend.

Kurz danach kommt die erste Grenze.

Ein paar Meter hin, ein paar Meter zurück, und ich wechsle zwischen zwei Ländern. Da ich auf dieser Reise einen besonderen Schwerpunkt auf das grenzenlose Reisen gelegt habe, fällt mir auf, wie selbstverständlich die Menschen um mich herum die Grenze passieren – während ich sie zelebriere.

Die Strecke in Belgien bis Bastogne ist wunderschön: ein sehr gut ausgebauter Radweg, mitten in der Natur. Auch Bastogne selbst ist ein geschichtsträchtiger Ort auf der Strecke. Im Winter 1944 kesselten deutsche Truppen die Stadt ein, und auf die Aufforderung zur Kapitulation antwortete der kommandierende US-General Anthony McAuliffe mit einem einzigen Wort: „Nuts.“ Die Amerikaner hielten stand, die Ardennenoffensive scheiterte – zum Glück. Der zentrale Platz der Stadt trägt bis heute McAuliffes Namen.

Wer sich für die Geschichte interessiert, sollte hier einen halben Tag mehr einplanen. Ich habe es zeitlich leider nicht mehr geschafft– aber allein das Bewusstsein für so einen Ort zu haben, während man dort ist, ist mir auf meinen Radreisen immer wichtig.

Hotel: Hotel Léo Station – zentral direkt an der Place McAuliffe, mit Balkon und sicherer Radunterbringung in einer Garage. Restaurants gibt es rundherum, ich war beim Italiener gegenüber und habe sehr gut gegessen. Die Croissants beim Frühstück waren phänomenal. 👉 Hotel Léo Station auf Booking.com


Etappe 3 – Bastogne nach Marche-en-Famenne

Distanz: ca. 80 km · Schwierigkeit: Mittel · Untergrund: Asphalt, teilweise Feld- und Waldwege · Übernachtung: Quartier Latin, Marche-en-Famenne

Ich lasse mir am Morgen etwas Zeit, bis es aufhört zu regnen – eine sehr gute Entscheidung. Danach ist alles grün, es riecht gut, und die Strecke führt mitten in die Ardennen hinein, das Mittelgebirge, das sich über Belgien, Luxemburg und einen Teil Frankreichs zieht. Ein Fluss begleitet mich fast durchgehend: die Ourthe.

Mal fährst du direkt am Wasser, mal ein Stück oberhalb im Wald. Der Untergrund wechselt häufiger als an den Vortagen, hier kommen auch echte Feldwege dazu. Ich habe unterwegs mehrfach angehalten, einfach weil es zu schön war, um vorbeizufahren.

Nach knapp fünfzig Kilometern erreichst du La Roche-en-Ardenne, den Pausenort des Tages. Der Ort liegt in einer Flussschleife, über ihm eine Burgruine, unten am Wasser mehrere Restaurants mit Terrassen. Man spürt richtig, wie sehr der Ort von Outdoor-Liebhabern lebt und aktive Menschen anzieht. Plane hier eine gute Stunde ein, nicht zwanzig Minuten. Sonst ist es einer der Orte, bei denen du erst später merkst, dass du zu früh weitergefahren bist.

Weiter geht es durch wunderschön grüne Landschaften, in denen ich immer wieder Halt mache, weil hier alles so unglaublich saftig grün ist. Unterwegs gibt es auch schöne Möglichkeiten einzukehren – ich hatte nur kurz vorher schon gegessen, sonst hätte ich es mir hier ganz bestimmt gemütlich gemacht.

In Marche-en-Famenne angekommen, merke ich sofort: ein hübscher Ort mit Geschäften und genug Auswahl zum Essen. Ich hatte das Glück, dass mein Hotel einen Spa-Bereich hat, und daraus wurde ein Abend mit Sauna und anschließendem Essen in der hoteleigenen Brasserie – mit einem Kartoffelgratin, das ich so schnell nicht vergessen werde.

Hotel: Quartier Latin – untergebracht in einem umgebauten historischen Gebäude, mit abschließbarer Fahrradgarage. Buche unbedingt vorab einen Tisch in der Brasserie, ich verspreche euch, es lohnt sich! 👉 Quartier Latin auf Booking.com


Etappe 4 – Marche-en-Famenne nach Namur

Distanz: ca. 80 km · Schwierigkeit: Mittel · Untergrund: Überwiegend Asphalt · Übernachtung: Villa Balat BnB, Namur

Die Etappe mit den meisten lohnenden Stopps – und deshalb die, bei der du früh losfahren solltest. Der Morgen fängt nass an, aber nach etwa einer Stunde reißt es auf, und ab da wird es einer der schönsten Tage.

Der erste große Halt ist Dinant, eine Stadt, die mich nachhaltig beeindruckt hat.

Wer einmal da war, weiß, wovon ich spreche. Die Kulisse aus Kirche und steilen Felswänden entlang der Maas hat etwas ganz Besonderes. Wer besonders sportlich ist, kann zur Zitadelle hochsteigen – dafür sind allerdings einige Stufen nötig. Bequemer geht es mit der Seilbahn. Hier habe ich auch zu Mittag gegessen und eine längere Pause gemacht.

Danach geht es weiter entlang der Maas. Die Landschaft verändert sich im Vergleich zu den Ardennen deutlich: eine Flusslandschaft mit Felsformationen an den Seiten. Ich folge dem Fluss, bis ich zu den Jardins d’Annevoie komme, einer Gartenanlage aus dem 18. Jahrhundert und den einzigen Wassergärten Belgiens.

Das Besondere daran: Sämtliche Fontänen und Kaskaden funktionieren ohne Pumpen, allein über natürliches Gefälle – und das seit über 250 Jahren. Man hört überall Wasser. Der Eintritt liegt bei knapp 15 Euro, es gibt eine Brasserie, und wenn du unterwegs eine Stunde ohne Sattel brauchst, ist das der richtige Ort dafür. Die Öffnungszeiten sind saisonal, also vorher kurz prüfen.

Fünf Kilometer vor Namur kommt Wépion, in Belgien berühmt für seine Erdbeeren – berühmt genug für ein eigenes Erdbeermuseum. Die Verkaufsstände stehen direkt am Radweg. Ich habe sie probiert, und ich kann sagen: Man hat mir nicht zu viel versprochen. Das waren mit Abstand die besten Erdbeeren, die ich je gegessen habe.

Namur selbst ist die Hauptstadt der Wallonie und liegt am Zusammenfluss von Maas und Sambre, überragt von der Zitadelle. Normalerweise fährt eine Seilbahn hinauf; als ich dort war, wurde sie renoviert, und die Alternative waren rund 400 Stufen. Nach dem Tag im Sattel habe ich verzichtet. Wenn du ein paar Stunden mehr hast, geh hoch – der Blick soll großartig sein. Von meiner Unterkunft aus hatte ich übrigens einen fantastischen Blick auf genau diese Zitadelle.

Der Abend gehört dann der Altstadt, in deren Gassen man sich hervorragend verlieren kann. Ein Restaurant zu finden, ist hier keine Aufgabe, sondern eine Auswahl.

Hotel: Villa Balat BnB- Namur – direkt an der Maas am Fuß der Zitadelle, mit wenigen sehr besonderen Zimmern und viel persönlichem Charme, tolle Gastgeberin und einem wahnsinns Ausblick. 👉 Villa Balat BnB- Namur, Belgium


Etappe 5 – Namur nach Leuven

Distanz: ca. 80 km · Schwierigkeit: Mittel · Untergrund: Durchgehend gut ausgebaute Radwege · Übernachtung: Park Inn by Radisson Leuven

Nach einem fantastischen Frühstück geht es weiter Richtung Leuven. Ein sehr entspannter Abschnitt: gleichmäßig zu fahren, guter Untergrund, viel Natur und trotzdem regelmäßig Dörfer, durch die du die Region besser begreifst.

Nach einigen Kilometern sehe ich rechts am Straßenrand ein Schild und stelle fest, dass ich jetzt in der belgischen Region Flandern bin. Ich hatte erwartet, dass es ab hier keine Höhenmeter mehr gibt – damit lag ich nicht ganz richtig, denn zu Anfang ist es noch recht hügelig.

Etwa fünf Kilometer vor Leuven merke ich schon, welche Rolle das Radfahren hier spielt: überall Radler, viele sportliche Menschen. Später erklärt mir Heidi, die Hotelmanagerin vom Park Inn by Radisson Leuven, warum das so ist. Leuven ist eine historische Universitätsstadt – die KU Leuven wurde 1425 gegründet, und man kann hier unter anderem Sport studieren.

Für Radreisende ist etwas anderes wichtiger: Leuven ist eine ausgesprochene Fahrradstadt. Hier haben Radsportwettbewerbe stattgefunden, und man erledigt praktisch alles mit dem Rad. Es gibt sogar Ampeln, die je nach Verkehrsmittel anzeigen, wer wann in bestimmte Bereiche einfahren darf – sehr praktisch, so weißt du immer, wo du fahren darfst und wo nicht. Mein Gefühl zu Leuven: Du fährst in die Stadt hinein, stellst das Rad ab und bist sofort mitten im Leben (oder auch mitten in Leuven 😉).

Hotel: Park Inn by Radisson Leuven – direkt gegenüber dem Hauptbahnhof, das Zentrum in zehn Gehminuten. Ideal, wenn du die Tour hier beginnen oder beenden willst. Mein Fahrrad wurde in einem Konferenzraum untergebracht, einfach an der Rezeption danach fragen. 👉 Park Inn by Radisson Leuven auf Booking.com


Etappe 6 – Leuven nach Antwerpen

Distanz: ca. 95 km · Schwierigkeit: Mittel · Untergrund: Sehr gut ausgebaute Radwege · Übernachtung: HotelO Kathedral, Antwerpen · Route: ab hier Kunststädteroute

Ab hier verlässt du den EuroVelo 5 und fährst auf der Kunststädteroute, der Verbindung zwischen den großen Kunststädten in Flandern. Es ist die zweite 95er-Etappe, aber deutlich leichter zu fahren als Tag 2, weil kaum Höhenmeter dazukommen.

Wenige Kilometer außerhalb von Leuven liegt die 1129 gegründete Abtei von Park, eine der besterhaltenen Klosteranlagen Belgiens – Teiche, Wirtschaftsgebäude und Kirche sind nahezu vollständig erhalten.

Mein Plan für heute: Mittagspause in Mechelen.

Auf dem Weg dorthin wird die Landschaft sumpfig. Ich fahre durch viel Grün, an Sumpf und Wiesen vorbei, und unterwegs lassen sich auch einige Vögel beobachten.

Mechelen erkennst du sofort am Sint-Romboutstoren, 97 Meter hoch und besteigbar; bei gutem Wetter siehst du von oben bis nach Antwerpen und Brüssel. Ich habe mich für die faulere Variante entschieden und bin durch die Gassen gelaufen, um diese wunderschöne Stadt zu Fuß zu erkunden. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Museumsgarten: der Garten des Museums Hof van Busleyden, ein wirklich wunderschöner Innenhof, in dem es nicht nur Kaffee und Kuchen gibt, sondern auch Herzhaftes. Definitiv einen Zwischenstopp wert.

Dann Antwerpen – eine Stadt, in der ich tatsächlich schon einmal ein paar Wochen verbracht habe und auf die ich mich deshalb besonders gefreut habe. Die Lage des HotelO ist hervorragend: direkt an der Kathedrale und mitten in der Innenstadt mit dem Grote Markt und den Gildehäusern. Und natürlich die Schelde, die aus Antwerpen eine Hafenstadt gemacht hat. Unter dem Fluss führt der Sint-Annatunnel hindurch, durch den du mit dem Rad auf die andere Seite fährst – samt Holzrolltreppen aus den 1930er Jahren.

Tipp: Wenn du nur einen Tag hast, lass die Abtei aus und gib Mechelen und Antwerpen mehr Zeit. Beide Städte haben viel zu bieten.

Hotel: HotelO Kathedral – familiengeführtes Haus mit 33 Zimmern, direkt gegenüber der Liebfrauenkathedrale. In den Kathedral-Zimmern ziehen sich Rubens-inspirierte Wandmalereien über Wand und Decke. Im Haus gibt es eine eigene Pralinenmanufaktur, und ich bin wirklich kein Pralinenmensch – aber in Belgien sollte man das probiert haben. Das Fahrrad parkt übrigens direkt bei den Pralinen und das Frühstück war hervorragend. 👉 HotelO Kathedral auf Booking.com


Etappe 7 – Antwerpen nach Breda

Distanz: ca. 75 km · Schwierigkeit: Leicht · Untergrund: Asphalt, hervorragend ausgebaut und überwiegend flach · Übernachtung: Hotel Botanique, Breda

Ein körperlich leichter Tag: kilometerlange, schnurgerade, komplett vom Autoverkehr getrennte Strecken, bei denen du teilweise gar nicht siehst, wo sie enden. Dazu bekomme ich zum Abschluss das beste Wetter der Woche.

Wer möchte, verlässt die Route kurz Richtung Westmalle und probiert ein Trappistenbier. Das wird tatsächlich von Mönchen in der Abtei gebraut. Um sich so nennen zu dürfen, muss ein Bier innerhalb der Klostermauern und unter Aufsicht der Mönche entstehen, und die Erlöse müssen dem Kloster und wohltätigen Zwecken zugutekommen. Weltweit erfüllt das nur eine Handvoll Brauereien. Der Umweg lohnt sich.

Die letzte Grenze passiere ich dann wieder ganz bewusst – sie ist auf dem Boden des Radwegs eingezeichnet. Eine Linie, zwei Ländernamen, sonst nichts. Und damit bin ich im dritten Land und in der vierten Region angekommen: in den Niederlanden.

Kurz darauf kommt der kurioseste Ort der ganzen Tour. Baarle besteht aus zwei Gemeinden, die nicht nebeneinander, sondern ineinander liegen: Baarle-Nassau ist niederländisch, Baarle-Hertog belgisch. Etliche belgische Exklaven liegen auf niederländischemGebiet, und in den größten davon stecken wiederum niederländische Gegen-Enklaven. Eine solche Häufung auf so kleinem Raum gibt es weltweit kein zweites Mal. Die Grenze läuft mitten über Straßen, durch Vorgärten und tatsächlich auch durch Häuser.

Und die Frage, die sich sofort stellt – in welchem Land wohnt man dann? – hat eine erstaunlich pragmatische Antwort. Es gilt die Haustürregel: Wo die Haustür liegt, wohnt man offiziell.

Für eine Tour unter dem Motto „grenzenlos reisen“ gibt es keinen besseren vorletzten Halt.

Danach geht es noch durch ein wunderschönes Naturgebiet, die Strijbeekse Heide. Ich hatte zwischendurch das Gefühl, in Afrika zu sein, weil die Landschaft so anders und besonders ist.

Breda selbst liegt nah an der belgischen Grenze und ist per Bahn hervorragend angebunden – für eine Radreise mit Rückfahrt der entscheidende Punkt. Aufgefallen ist mir vor allem, wie lebendig die Stadt ist: Ich habe an dem Abend sehr viele Junggesellenabschiede gesehen. Später habe ich gelernt, dass Breda unter Niederländern eine beliebte Partystadt ist. Ich habe mich, auch wegen des tollen Wetters, noch für eine Bootstour entschieden und sie sehr genossen. Du siehst die Stadt aus einer ganz anderen Perspektive.

Am nächsten Morgen mache ich noch eine Stadtführung durch Breda. Hier habe ich viel gelernt und den einen oder anderen Ort gezeigt bekommen, den selbst viele Einheimische nicht kennen. Beispielsweise gibt es in Breda über 200 Wandgemälde – und das Besondere ist nicht die Zahl, sondern das Konzept: Jedes Gemälde bezieht die Geschichte des Gebäudes ein, auf dem es angebracht ist. An jedem Bild hängt ein QR-Code mit der Geschichte dazu.

Die beste Geschichte gehört dem Schloss. Im Achtzigjährigen Krieg hielten die Spanier Breda besetzt, und der Torfschiffer Adriaen van Bergen lieferte ihnen so regelmäßig Brennmaterial, dass sein Schiff irgendwann bei der Einfahrt nicht mehr kontrolliert wurde. Genau darauf baute der Plan: Im März 1590 lagen rund 70 Soldaten unter der Torfladung, als das Schiff in den Schlosshafen einfuhr. Nachts überwältigten sie die Wachen und öffneten die Tore. Die List ging als „Turfschip van Breda“ in die Geschichtsbücher ein – das trojanische Pferd der Niederlande. Besichtigen kannst du das Schloss nicht, es wird bis heute militärisch genutzt. Aber schon von außen, mit dem Wasser drumherum, bekommst du ein Gefühl für die Dimension.

Dann führt mich die Stadtführerin in einen Innenhof, den vermutlich nicht einmal alle Einheimischen kennen: Ein Bürgermeister hatte in den 1980er Jahren zum Abschied ein Geschenk der Bürger ausgeschlagen und stattdessen selbst diesen Garten anlegen lassen. Ein sehr stiller Ort mitten in der Stadt.

Und zum Schluss noch etwas, das ich nicht erwartet hätte: Das niederländische Königshaus hat seinen Ursprung hier. Graf Engelbert von Nassau heiratete in Breda die lokale Adlige Johanna von Polanen, und damit begann die Verbindung des Hauses Nassau mit den Niederlanden. Du radelst eine Woche durch Europa und findest am letzten Tag heraus, dass eine der bekanntesten Königsfamilien des Kontinents in genau dieser Stadt angefangen hat.

Hotel: Hotel Botanique – 19 Zimmer in einer ehemaligen Kaserne, wenige Gehminuten vom Zentrum. Check-in und Radabstellplatz sind nebenan im Hotel Keyser, dort standen schon einige Räder. 👉 Hotel Botanique auf Booking.com


Praktische Planung

Anreise und Rückfahrt. Luxemburg-Stadt, Namur, Leuven, Antwerpen und Breda sind gut per Bahn erreichbar und eignen sich damit auch als Ein- oder Ausstiegspunkte, wenn man nur einen Teil fahren will.

Fahrradmitnahme. In Luxemburg ist der gesamte öffentliche Nahverkehr kostenlos, Rad inklusive. In Belgien und den Niederlanden braucht man eine Fahrradkarte, teilweise mit Einschränkungen im Berufsverkehr. Die Bedingungen ändern sich gelegentlich, also kurz vor der Reise prüfen.

Navigation. Der EuroVelo 5 ist markiert, aber in Luxemburg und Belgien überlagern sich mehrere nationale Radwegenetze, und an manchen Kreuzungen muss man genau hinschauen. Mit der Route als GPX auf dem Gerät ist das kein Thema mehr.

Reisezeit. Mai bis September. Im Frühsommer bekommt man Erdbeeren in Wépion und Annevoie in voller Blüte. Rechne mit Regen – ich hatte an mehreren Tagen welchen, und die Umschwünge kamen jeweils schnell – glücklicherweise in beide Richtungen 🙂 .

E-Bike und Akku. Bei den beiden 95-Kilometer-Etappen mit Höhenmetern kann es je nach Akku und Unterstützungsstufe knapp werden; plane an diesen Tagen eine Lademöglichkeit während der Mittagspause ein oder geh sparsam mit dem Akku um. Alle Hotels auf meiner Route hatten eine Steckdose fürs Laden, den Akku habe ich abends mit aufs Zimmer genommen.


FAQ

Brauche ich ein E-Bike? Ich würde schon dazu raten.

Wie fit muss ich sein? Du solltest 80 Kilometer am Stück fahren können und wissen, wie sich das an mehreren Tagen hintereinander anfühlt. Das ist keine Einsteigertour.

Kann ich auch nur einen Teil fahren? Ja. Landschaftlich am stärksten sind die Etappen 1, 2 und 3 durch die Weinberge & die Ardennen, kulturell die Strecke Leuven–Antwerpen–Breda.

Wie viel Zeit sollte ich einplanen? Sieben Tage funktionieren. Neun sind besser – je ein zusätzlicher Tag in Luxemburg-Stadt und Antwerpen.

Muss ich als Radfahrer die Grenzen beachten? Nein. Alle drei Länder gehören zum Schengenraum. Einen Ausweis solltest du trotzdem sicherheitshalber dabeihaben.


Fazit

Ich bin sieben Tage lang über Grenzen gefahren, ohne einmal einen Ausweis herausholen zu müssen. Für alle um mich herum war das kein Thema. Beschäftigt hat es nur mich, weil ich bewusst darauf geachtet habe.

Nach rund 550 Kilometern habe ich verstanden: Das Schönste an dieser Reise waren gar nicht die Grenzen – sondern dass sie beim Radfahren plötzlich keine Rolle mehr spielen.

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