Radfahren in Friesland: Vier Tage, ein Hotel, drei Touren rund um Sneek

Werbung. Diese Reise wurde von Visit Friesland unterstützt.

Für Menschen die Radfahren lieben ist Friesland gleich mehrfach interessant.
Denn es gibt über 2.750 Kilometer ausgeschilderte Radwege, fast durchgehend flach.
Das Klima ist auch wie fürs Radeln gemacht: Während im Juli in Süddeutschland oder am Mittelmeer die Hitze das Radfahren ab elf Uhr unangenehm macht, liegen die Temperaturen hier bei 17 bis 20 Grad.
Und dann natürlich die elf historischen Städte, die „Elf Steden“. Sie sind über den Südwesten und Norden der Provinz verteilt und eignen sich hervorragend als Ausgangspunkte für Tagestouren.

Ich fahre diese Reise als Sternfahrt – ein Hotel, vier Nächte, jeden Tag eine andere Tour, abends zurück ins gleiche Zimmer. Kein tägliches Packen, kein Gepäcktransport, keine Buchungskette. Das Format funktioniert hier besonders gut, weil die Entfernungen kurz sind und sich vom gleichen Ausgangspunkt aus mehrere sehr unterschiedliche Landschaften erreichen lassen: Seen, Wiesenland, kleine Städte.

Basis ist Sneek, selbst eine der elf Städte. In den nächsten Tagen folgen eine Rundtour um das Sneekermeer (rund 70 km), eine Mühlenroute nach IJlst (knapp 60 km) und eine Etappe von Stadt zu Stadt über IJlst, Workum und Bolsward (rund 50 km). Vorher aber ein Tag ohne Rad – oder genauer: ein Tag mit Rad, aber ohne Strecke.

Auf einen Blick

Region: Provinz Fryslân – Friesland (Niederlande) – flach, über 2.750 km Radwege Temperaturen: angenehm zum Radfahren – im Sommer 17 bis 20 Grad, im September 16 bis 19 Grad, im Oktober 11 bis 15 Grad Basis: Van der Valk Hotel Sneek, vier Nächte Format: Sternfahrt – jeden Tag eine Tour, abends zurück ins gleiche Hotel

TagTourStreckeCharakterHighlights
1Stadttag Sneekohne StreckeAnkommen, Stadt & KulturWaterpoort, Stadtrundgang, Grachtenfahrt, Fries Scheepvaart Museum
2Rundtour Sneekermeerrund 70 kmSeen & WasserInsel-Café It Foarûnder, Museum Joure, Nationaal Modelspoor Museum
3Mühlenroute nach IJlstknapp 60 kmMühlenland & DörferHoutzaagmolen De Rat, Bolsward, Getreidemühle Witmarsum
4Von Stadt zu Stadtrund 50 kmHistorische StädteSneek – IJlst – Workum – Bolsward, Jopie Huisman Museum

Tag 1 – Sneek: Ein Tag ohne Kilometer

Da ich auf dem Weg zur Touristeninformation sowieso am berühmten Wassertor von Sneek vorbeiradelte, habe ich dort direkt mal gehalten und mir das Wahrzeichen der Stadt angeschaut. Die Waterpoort stammt von 1613 und ist das letzte von ursprünglich sechs Toren der Stadtbefestigung – Sneek war die einzige friesische Stadt, die komplett ummauert war. Militärisch hatte das Tor damals schon keine Funktion mehr; es wurde als Ziertor gebaut, entsprechend aufwendig sind die beiden achteckigen Türme. Morgens war es hier herrlich ruhig, das ist übrigens ein super Tipp für Fotos, denn ein paar Stunden ist hier deutlich mehr los.

Weiter zur VVV, der Touristeninformation – diese ist praktischerweise im Fries Scheepvaart Museum am Kleinzand. Dort habe ich Marijke Klijnstra getroffen, ehrenamtliche Mitarbeiterin, die sehr gut Deutsch spricht. Sie hat mir erzählt, was ihr an Sneek und an Fryslân gefällt, und dabei einen Satz gesagt, der mir den ganzen Tag im Kopf geblieben ist: Die Friesen seien ruhiger als der Rest der Niederlande. Zurückhaltender, nicht unfreundlich. Ich habe das im Lauf des Tages mehrfach bestätigt gefunden. Als ich sie fragte, was sie Besuchern von ihrer Stadt als erstes zeigen würde, sagte sie: das Wassertor. Wie passend :-).

Von ihr kam auch der Hinweis auf den Stadtrundgang: eine kleine Broschüre für drei Euro, erhältlich an der VVV, gut zweieinhalb Kilometer durch die Altstadt – und voller Informationen, die man sich sonst mühsam zusammensuchen müsste. Gesagt getan, ich bin also zu Fuß losgelaufen und habe die Stadt erkundet und das ein oder andere gelernt. Beispielsweise dass die 11 friesischen Städte jeweils einen Brunnen (Fountain) haben, der auch immer etwas über die Stadt selbst erzählt. In Sneek ist das der Brunnen der Fortuna, an Tag 4 – auf meiner von Stadt zu Stadt Tagestour – gibts spannende Infos dazu.

Sneek vom Wasser aus

Der zweite Tipp von Marijke war eine einstündige Grachtenfahrt, welche man direkt dort buchen kann.

Ablegestelle ist der Steiger schräg gegenüber vom Museum. Gefahren wird mit einem offenen Boot, das unter den niedrigen Brücken durchpasst – aber nur, wenn man auch bereit ist, gelegentlich den Kopf einzuziehen – aber das hat die ganze Runde sehr erheitert. Der Kapitän hat alles auf Deutsch erzählt, was für die überwiegend deutschen Gäste an Bord den Unterschied gemacht hat; die Niederländer haben es ohnehin verstanden. Vom Wasser aus ist Sneek eine andere Stadt. Man kommt an Rückseiten vorbei, an Höfen und Anlegern, die von der Straße aus nicht existieren. Und man fährt unter der Waterpoort durch – genau die Perspektive, für die das Tor eigentlich gebaut wurde.

Mittagspause: Bij Fier

Gegessen habe ich im Bij Fier, 1e Oosterkade 24, direkt am Wasser. Ruhige Terrasse, gutes Essen, aufmerksamer Service, moderate Preise. Von den Lokalen, die ich in Sneek gesehen habe, das mit der besten Kombination aus Lage und Ruhe.

📍 Bij Fier

Fries Scheepvaart Museum

Nachmittags dann ins Museum, im gleichen Gebäude wie die VVV. Empfangen hat mich Arjanne, die mir einen Überblick über die drei Themenbereiche gegeben hat: Sneek und die Region, Eislaufen und Schifffahrt – naheliegend in einer Stadt, in der alles am Wasser hängt.

Das Eislaufen ist dabei mehr als ein Ausstellungsthema. In Friesland ist es kein Sport, sondern Identität: Der Elfstedentocht – 200 Kilometer auf dem Eis über alle elf Städte – ist die Legende der Provinz. Gefahren wird er nur, wenn das Eis auf der gesamten Strecke mindestens 15 Zentimeter dick ist. Das letzte Mal war das 1997, denn die Grachten frieren leider nicht mehr zuverlässig zu. Lust hätte ich ja definitiv mal, das auszuprobieren. Vor Ort habe ich mich auch mit Einheimischen unterhalten, die sich an ihre Kindheit auf Schlittschuhen erinnerten und bei allen Großeltern auf der Strecke etwas anderes zu Essen oder Trinken bekommen haben.

Mitgenommen aus dem Museum habe ich, was die Menschen in Sneek ausmacht: Eislaufen, Segeln, Wassersport – das wird fast immer in Gruppen betrieben, Sport ist hier sozial organisiert. Gleichzeitig, und das ist kein Widerspruch, gilt genau das, was Marijke morgens gesagt hatte: zurückhaltend, sehr freundliche und ruhige Menschen. Ich bin gespannt, was die nächsten Tage noch so auf mich wartet.

Übernachtung: Van der Valk Hotel Sneek

Basis für alle vier Nächte ist das Van der Valk Hotel Sneek. Für eine Sternfahrt gut geeignet:

  • Abschließbarer Fahrradkäfig mit vielen Stellplätzen und Lademöglichkeiten für Pedelecs
  • Reichlich Autostellplätze – relevant, wenn man mit dem eigenen Rad anreist
  • Leihräder direkt im Haus, falls man ohne eigenes Rad kommt
  • Große Zimmer mit kleinem Kühlschrank & Kaffeemaschine sowie Wasserkocher
  • Frühstück und kleiner Wellnessbereich

Mein Fazit zum ersten Tag: Ein Tag ohne Kilometer also, aber nicht ohne Ertrag: Waterpoort, Stadtrundgang, Grachtenfahrt und Museum passen bequem in einen Tag – und geben der Landschaft der nächsten Tage einen Zusammenhang. Morgen geht es aufs Rad: die Runde um das Sneekermeer.

Tag 2 – Sneekermeer: Immer am Wasser entlang

Geplant waren 66 Kilometer, geworden sind es etwa 70. Der Morgen begann mit durchwachsenem Wetter, im Lauf des Tages wurde es dann richtig gut. Die Strecke war durchgehend gut ausgebaut und führte über weite Teile direkt am Wasser entlang – genau worauf ich mich bei dieser Tour so gefreut hatte.

Mit der Fähre zum Inselcafé

Erster Stopp war das It Foarûnder, ein Café-Restaurant auf einer Insel im Sneekermeer, erreichbar mit einer kleinen Fähre – hin und zurück vier Euro mit Rad. Auf der Insel selbst darf man nicht radeln, schieben ist aber erlaubt. Lohnt sich trotzdem: der Blick über den See ist von hier ein anderer. Rundherum lief bereits die Vorbereitung für die Sneekweek, die große Segelregatta – entsprechend viel Betrieb auf dem Wasser. Wer die Ruhe sucht, meidet Ende Juli und Anfang August und weicht auf die milden Herbstmonate September & Oktober aus.

📍 It Foarûnder

Weiter ging es nach Terherne, einem kleinen, hübschen Wassersportdorf. Übrigens gilt Terherne als Vorbild für die Kameleon-Bücher, einer in den Niederlanden berühmten Kinderbuchreihe – wer sie gelesen hat, wird hier vieles wiedererkennen.

Kurz hinter Teherne liegt das Paviljoen SALT direkt am See – hier saßen auffällig viele Radfahrer, und das aus gutem Grund: Man sitzt unmittelbar am Wasser und das Essen sah auch gut aus.

📍 Paviljoen SALT

Mein Weg führte mich weiter nach Joure, worauf ich mich heute besonders freute.

Museum Joure

In Joure habe ich dann die meiste Zeit verbracht. Und zwar im Museum Joure, wo mich Siska Lubach empfangen hat. Sie kümmert sich im Museum um die Besucher und hat mir viel erklärt. Wusstet ihr, dass Douwe Egberts aus Friesland kam? Ich habe an diesem Tag gelernt, was für ein fleißiger Geschäftsmann er doch war und dass er weitaus mehr als nur Kaffee produziert und verkauft hat. Ich hab die Zeit im Museum sehr genossen und empfand es als sehr kurzweilig. Das Museum arbeitet viel mit Mitmach-Stationen – man kann zum Beispiel selbst Kaffee verkosten –, auch für Kinder ist einiges dabei, dazu ein Museumscafé. Man versteht hier, wofür ein Ort steht, den man sonst nur vom Kaffeeregal kennt. Das gibt der Etappe einen besonderen Bezug, der mir gut gefallen hat.

📍 Museum Joure

Ich habe vor Ort den für Friesland berühmten Oranjekook probiert und war sofort ein großer Fan, weil ich Marzipan so sehr liebe!

Felder, Wald und ein Badesee

Auf dem Rückweg kam die Sonne nochmal so richtig heraus. Die Strecke führte über offene Felder und ein Stück durch Wald – ein schöner Abschluss, wobei der eigentliche Reiz des Tages die Summe war: vor allem die vielen Kilometer direkt an den Seen. Die einzigen Höhenmeter waren Brücken. Genau das macht Friesland aus: Man braucht keine Vorkenntnisse und keine besondere Fitness, um hier einen ganzen Tag zu fahren. Mit E-Bike ist das natürlich noch einfacher gewesen, aber definitiv auch mit Biobike machbar.

Unterwegs kommt man am Skipsleat vorbei, einem alten Sandabbausee am Nordrand von Joure mit Strand, an dem man baden kann: mitten im Grün eine Sandfläche am Wasser. Für heiße Tage ein Argument mehr für diese Runde, also unbedingt Schwimmsachen mitbringen.

Nationaal Modelspoor Museum

Zurück in Sneek noch ein Abstecher ins Nationaal Modelspoor Museum.

Zwischen 8.500 und 9.000 Waggons, dazu eine kleine Nachbildung der elf Städte – wieder ein lokale Bezug der meinen Besuch besonders macht. Das Museum ist erst kürzlich umgezogen und deutlich größer geworden; es gibt Personal, das sich auskennt und teilweise sogar deutsch sprincht. Als Programm für einen Regentag oder einen bewussten Pausentag eine gute Adresse, gerade für Menschen, die sich für Modelleisenbahnen begeistern.

📍 Nationaal Modelspoor Museum

Mein Fazit zur ersten Radtour am Sneekermeer: Gut 70 flache Kilometer, fast durchgehend am Wasser, mit zwei sehr unterschiedlichen Museen als Ankerpunkten – eine Runde für alle, die entspannt fahren wollen, und über die Stopps beliebig zu einem halben oder ganzen Tag dehnbar. Morgen die Mühlentour, etwa 60 Kilometer.

Tag 3 – Mühlenroute: Mehr Mühlen, als man zählen kann

Knapp 60 Kilometer, und ein bewusster Kontrast zur Seenrunde vom Vortag. Wo es gestern vor allem ums Wasser ging, geht es heute um Mühlen – genau das Bild, das viele im Kopf haben, wenn sie an die Niederlande denken. Eine Randbemerkung dazu: „Holland“ meint streng genommen nur zwei der zwölf Provinzen, Nord- und Südholland. Friesland gehört also nicht dazu.

Was ich heute außerdem gelernt habe: Es gibt drei Grundtypen von Mühlen.

  1. Sägemühlen zum Schneiden von Holz.
  2. Getreidemühlen zum Mahlen von Korn.
  3. Poldermühlen, die kein Material verarbeiten, sondern Wasser bewegen – sie pumpen es aus den tiefer liegenden Poldern in die höher gelegenen Kanäle und halten das Land so trocken.

Alle drei bekommt man auf dieser Tour zu sehen. Schön ist es, wenn man die Unterschiede dann kennt und die Mühlen direkt zuordnen kann.

De Rat: einer Mühle bei der Arbeit zusehen

Losgefahren bin ich wie immer am Hotel in Sneek. Erster Stopp war die De Rat in IJlst, eine Holzsägemühle. Direkt in die laufende Mühle hineinschauen zu können, während die Sägeblätter Stämme zu Brettern schneiden, ist etwas anderes als eine Mühle von außen zu fotografieren. Dazu der Geruch von frischem Holz.

Ich habe eine Weile mit den Mühlenleuten zusammengesessen, und eine Zahl hat mich überrascht: 23 Freiwillige und ein Müller halten den Betrieb am Laufen. Dass so ein Betrieb fast vollständig ehrenamtlich getragen wird, hätte ich nicht gedacht.

📍 Houtzaagmolen De Rat

Anschließend ging es durch IJlst mit seinen bekannten Bleichwiesen. Aber dazu gibt es in der morgigen Tour mehr Infos.

Bolsward

Eine kleine Pause gemacht habe ich im Julianapark in Bolsward, einem sehr schön angelegten Park mit Springbrunnen. Überhaupt ist mir unterwegs aufgefallen, wie gepflegt hier die Gärten sind – daran kann man sich beim Fahren kaum sattsehen.

Bolsward ist ein wirklich schönes Städtchen, in dem man sich gut aufhalten kann – wie überhaupt die Orte hier alle ihren Reiz haben. Man fährt an allem direkt vorbei: an der Broerekerk, einer Kirche, die 1980 ausbrannte und deren Ruine 2006 ein gläsernes Dach bekam. Heute dient sie als Veranstaltungsort – als ich da war, wurde gerade eine Hochzeit aufgebaut. Vor der Kirche steht übrigens einer der 11 Fountains, diesmal eine Fledermaus für Bolsward, ich habe gelesen, als direkten Bezug zur dahinterstehenden Kirche, da Fledermäuse sich häufig in Kirchen aufhalten. Außerdem gibt es in Bolsward noch das Rathaus im Renaissancestil von 1614. Direkt daneben kann man auch hervorragend Pause machen, weil sich einige Restaurants aneinanderreihen.
📍 Broerekerk

Witmarsum und die Poldermühlen

Danach häuften sich die Mühlen wieder.

In Witmarsum liegt Mevrouw de Molenaar, eine Bäckerei direkt in einer Getreidemühle – die zweite der drei Mühlenarten. Gemahlen wird das Korn in der Mühle, gebacken nebenan.

Zum Zeitpunkt meines Besuchs war Sommerpause, die Öffnungszeiten sind ohnehin knapp; wer Brot mitnehmen will, bestellt am besten vorab – das berühmteste Brot, das dort verkauft wird, hat auch eine Hintergrundgeschichte mit Bezug zum Ort. Unbedingt vorbeikommen.

📍 Mevrouw de Molenaar

Hinter Witmarsum kommen dann die Poldermühlen, also die dritte Kategorie der Mühlen, die Wassermühlen. Zuerst gesehen habe ich eine Spinnenkopmühle (spinnenkopmolen) – eine besondere, kompakte Bauart, bei der sich nur der obere Teil in den Wind dreht. Der letzte Abschnitt führte über weite, sehr grüne Felder, wieder mit vielen Radfahrern unterwegs. Ich wollte eigentlich alle Mühlen zählen, aber kam irgendwann tatsächlich nicht mehr mit. Vielleicht schafft ihr es ja wenn ihr die Tour nachfahrt 😉

Mit etwas Rückenwind bin ich dann weiter Richtung Sneek gefahren und kam gegen 16 Uhr wieder im Hotel in Sneek an, um dann am Abend nochmal in die Stadt zu fahren und Restaurant Markt 23 zu essen. Hier ist man mittendrin statt nur dabei, die Pizza kann ich empfehlen.

📍 Markt 23 in Sneek

Mein Fazit zur zweiten Radtour auf der Mühlentour: Knapp 60 Kilometer, drei Mühlentypen, mit Bolsward ein schönes Städtchen zum Verweilen – als Kontrastprogramm zur Seenrunde funktioniert diese Tour sehr gut. Auch hier gilt: flach, gut ausgebaut, für alle machbar. Morgen die letzte Etappe: von Stadt zu Stadt über IJlst, Workum, Bolsward und natürlich Sneek.

Tag 4 – Von Stadt zu Stadt: Vier Städte, vier Brunnen

Rund 50 Kilometer, und die Etappe, die am meisten Städte auf einmal verbindet: Sneek, IJlst, Workum, Bolsward. Auch das ist wieder eine Rundtour vom Hotel aus – nur führt sie diesmal von Stadt zu Stadt statt um einen See. Über die drei Fahrtage habe ich so drei ganz unterschiedliche Ecken von Friesland kennengelernt: die Seen, das Mühlenland, die historischen Städte. Der Morgen begann mit Regen, ich entschied mich, mich unterzustellen und kurz abzuwarten, was eine super Idee war, weil danach das Wetter mehr auf meiner Seite war.

Ein roter Faden hat sich von selbst ergeben: In jeder der vier Städte habe ich mir den Brunnen angeschaut. Das passt zum Namen der Etappe – und zu den 11 Fountains, dem Kunstprojekt, bei dem jede der elf friesischen Städte einen eigenen Brunnen bekommen hat.

IJlst und ein Zufall in Oudega

Erste Station war IJlst, das ich mir gestern aufgehoben hatte. Neben dem Brunnen von Ijlst schaute ich mir natürlich auch die bekannten Bleichwiesen entlang des Wassers an: Hier wurde früher Leinen zum Bleichen ausgelegt – die Stoffbahnen lagen in der Sonne, das machte sie hell. Heute sind es schmale grüne Streifen am Kanal, aber der Name erzählt noch die alte Geschichte.

Unterwegs kam ich an Oudega vorbei, ein kleines Dorf, in dem mir eine große Mopedgruppe entgegenkam – bestimmt hundert Fahrzeuge, und man hat sich gegenseitig zugewunken. Dass hier auch Mopeds in solchen Scharen unterwegs sind, hätte ich nicht erwartet. Es war aber richtig schön zu beobachten, weil man förmlich sehen konnte, wie glücklich alle waren, gemeinsam diese Tour unternehmen zu können.

Workum: Kirche, Löwen und ein tiefgründiger Lumpenhändler

In Workum gibt es auf engem Raum viel zu sehen. Zuerst die Grote of Sint-Gertrudiskerk mit ihrem eigenwilligen Turm: Er steht frei neben der Kirche und wirkt etwas klein, weil er nie nach dem ursprünglichen Plan fertiggebaut wurde. Für Schiffe, die von der damaligen Zuiderzee kamen, diente er als Landmarke.

Direkt besuchte ich natürlich den zweiten Brunnen, den Brunnen von Workum, De Woeste Leeuwen („Die wilden Löwen“) der britischen Künstlerin Cornelia Parker. Zwei überlebensgroße Löwen, die sich gegenseitig Wasser bespritzen – sie stammen aus dem Stadtwappen von Workum, wo sie seit Jahrhunderten das Wappenschild halten. Für den Brunnen hat die Künstlerin das Schild weggelassen und die Umrisse des Wappens stattdessen mit blauen Steinen ins Pflaster gesetzt – wenn ihr dort seid, schaut es euch unbedingt an.

Danach ging es ins Jopie Huisman Museum – und das war die Überraschung des Tages. Ehrlich gesagt hatte ich wenig erwartet, weil ich sonst kein Museumsmensch bin und mit Malerei wenig anfangen kann. Aber es war super voll, also sehr beliebt und ich hatte es als Highlight auf der Etappe markiert, also bin ich reingegangen.

Jopie Huisman war Alteisen- und Lumpenhändler in Workum, Autodidakt als Maler – und vor allem ein Geschichtenerzähler. Er hat gemalt, was andere übersehen: getragene Schuhe, altes Werkzeug, Alltagsgegenstände mit Gebrauchsspuren, dazu Porträts von Menschen aus seiner Umgebung. Was mich beeindruckt hat, war die Haltung dahinter – dieser sehr genaue, sehr menschliche Blick auf Dinge und Leute, die sonst nur sehr wenige Menschen haben. Wer hingeht, sollte unbedingt den Audioguide nehmen, erst damit versteht man, worum es ihm ging. Am Ende läuft ein Film über sein Leben und darüber, was ihn angetrieben hat. Er kam selbst aus Workum, und man merkt dem Museum an, dass er es zu Lebzeiten mitgestaltet hat. Mich hat der Besuch nachhaltig bewegt und ich würde bei meinem nächsten Besuch in Workum definitiv nochmal vorbeischauen.

📍 Jopie Huisman Museum

Über Bolsward zurück nach Sneek

In Bolsward war ich zwar gestern schon, heute gings aber noch einmal dortin, denn Bolsward ist auch eine der vier Städte auf dieser Tagestour. Und selbstverständlich wollte ich nochmal den Brunnen besuchen, passend zum Motto des Tages. Dazu ein Stück Kuchen im Bartje en Martje am Appelmarkt, gleich beim Renaissance-Rathaus. Das Lokal ist für seine hausgemachte Apfeltarte bekannt, und das konnte ich bereits nach dem ersten Bissen verstehen. Wer Zimt und Apfel mag, wird den Kuchen absolut lieben.

📍 Bartje en Martje

Auf dem Rückweg, kurz vor Sneek in Ysbrechtum, liegt die Epemastate. Das Landhaus geht bis ins 13. Jahrhundert zurück und wird gerade restauriert – ab 2029 soll dort ein Museum entstehen. Schon jetzt ein schöner Halt, allein wegen des Parks ringsum.

📍 Epemastate

Zurück in Sneek noch ein kurzer Abstecher in den Wilhelminapark, der älteste Park der Stadt, benannt nach Königin Wilhelmina. Und dann, zum Abschluss, dorthin, wo diese Reise begonnen hatte: zur Waterpoort und selbstverständlich noch zum vierten Brunnen, dem Sneeker Brunnen, der Fontein van Fortuna.

Der Brunnen stammt vom deutschen Bildhauer Stephan Balkenhol – passend, denn Sneek hat lange historische Verbindungen nach Deutschland. Eine Figur steht auf einer goldenen Kugel und trägt ein Füllhorn, aus dem Wasser herausströmt. Die Kugel dreht sich, deshalb fällt das Wasser nie an dieselbe Stelle. Der Name verweist auf Fortuna, die Göttin des Glücks: Wohlstand kann jeden treffen, aber ebenso schnell vom Schicksal wieder genommen werden – man soll sich nicht zu lange darauf ausruhen. Balkenhol bezieht das ausdrücklich auf die Geschichte von Sneek mit ihren Wechseln aus guten und schlechten Zeiten. Ein passender Punkt, um die Runde zu schließen – dort, wo sie am ersten Tag angefangen hatte.

Mein Fazit zur dritten Radtour von Stadt zu Stadt: Rund 50 Kilometer, vier Städte, vier Brunnen – und mit dem Jopie Huisman Museum eine Begegnung, die ich so nicht erwartet hatte. Neben vier historischen Städten habe ich auch viel Natur und Seen entlang der Strecke entdeckt.

Fazit der Reise

Vier Nächte, ein Hotel, drei sehr unterschiedliche Touren – und kein einziges Mal Koffer packen. Genau das ist für mich der Kern einer Sternfahrt: Man kommt abends immer ins gleiche Zimmer zurück und fährt trotzdem jeden Tag durch eine andere Landschaft. Die Seenrunde ums Sneekermeer, die Mühlenroute nach IJlst, die Etappe von Stadt zu Stadt – von einem festen Standort aus, ohne Gepäcktransport, ohne Umziehen. Das macht Sterntouren so komfortabel, auch weil man kein Gepäck während der Radtour transportieren muss.

Friesland eignet sich dafür besonders. Flach, gut ausgeschildert, über 2.750 Kilometer Radwege, und mit angenehmen Temperaturen im Sommer wie auch Herbst. Weil es keine nennenswerten Steigungen gibt und die Etappen sich frei kürzen lassen, ist die Region auch für Familien mit Kindern gut geeignet. Wer nicht sportlich fahren will, kommt hier genauso auf seine Kosten wie jemand, der Strecke machen möchte – und wer kein eigenes Rad mitbringt, leiht sich eines direkt im Hotel.

Ein Tipp zur Reisezeit: Auch September und Oktober eignen sich hervorragend. Die Temperaturen sind dann noch mild, man ist raus aus der Hauptsaison – weniger Betrieb, und bei den Unterkünften lässt sich in dieser Zeit oft auch etwas sparen.

Ich bin diese Reise von Sneek aus gefahren, aber das ist nur einer von vielen möglichen Ausgangspunkten. Ganz Friesland lässt sich von einem einzigen Standort natürlich nicht erkunden – wer lieber an der Küste startet oder eine andere Ecke sehen möchte, findet dafür genug Alternativen. Auf unserer Webseite stellen wir verschiedene Regionen und Ausgangsorte in Friesland vor, listen fahrradfreundliche Unterkünfte mit guten Parkmöglichkeiten für die Anreise mit dem Auto und zeigen, welche Tagestouren sich von dort aus anbieten. Sneek ist dort ein Beispiel von vielen und war für mich sicherlich auch erst der Anfang von Sterntouren in Friesland.

Wer direkt loslegen will: Auf unserer Friesland-Seite gibt es weitere Ausgangsorte samt fahrradfreundlichen Unterkünften – von Sneek bis zur Küste: